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Zum Gedenken an Josef Steigmeier, Wittenbach

Das Jahr 2017 hatte kaum begonnen, da gedachten wir eines Mannes, dessen vielseitiges Wirken seit Generationen bekannt war. Josef Steigmeier, ein Sammler, ein politisch Aktiver, ein geschichtlich Forschender, ein Wittenbacher, geboren 1926 im Hause der Dorf- Raiffeisenkasse – sein Vater amtete dort als Verwalter – da war die Ausbildung zum Bankkaufmann im Raiffeisenhauptsitz in St.Gallen wohl vorgezeichnet. Seinem Drang zu reisen kam ihm dann durch die spätere Tätigkeit als Revisor für dieses Bankinstitut sehr entgegen, die er bis 1967 in der ganzen Schweiz ausübte. Ab diesem Jahr löste er seinen Vater in der Betreuung der Raiffeisenkasse Wittenbach ab und übte die Verwaltertätigkeit bis 1986 / 1991 aus. Kein Wunder, erinnern sich noch viele Dorfbewohner an ihn durch Geldgeschäfte, die sie an seinem Bankschalter tätigten, oder Kinder, die ihr Sparkässeli am Schalter leerten.


Doch nicht nur Geld war ein Thema im Bankraum. Ausgestellte alte Schriftstücke, Postkarten und Fotografien verleiteten Josef zu enthusiastischer Schilderung seiner Sammlungs-Raritäten, die er auf Auktionen, Flohmärkten und bei Antiquaren aufspürte. Besonders seine der Vadiana anvertraute Sammlung über den 2. Weltkrieg hegte er und erweiterte sie mit Eifer. 


1945 trat Josef Steigmeier dem neu gegründeten Jugendparlament bei, wurde 1. Protokollführer, trat bald der St.Gallischen CVP bei und amtete für diese von 1948 bis 1985 sowie im Wittenbacher-Vorstand jahrelang als Parteipräsident. Kämpfer wie er war, setzte er sich ein für das Frauenstimmrecht und die Einführung der AHV. Politik bedeutete für ihn nicht grosse Reden halten, sondern Teilnahme am Mitgestalten des Geschehens vor Ort. 

Nebst der grossen Politik, die ihn nie in die Exekutive hob, diente er uneigennützig örtlichen Institutionen. In Spitzenzeiten wirkte er in bis zu 29 Gremien, teils während über 35 Jahren. Das Amt des Bezirksschulrates ehrte ihn besonders und lag ihm auch am Herzen, ebenso die Kassiertätigkeit im Museum Wittenbach während 36 Jahren und ab 1956 ganze 37 Jahre jene der Gruppenwasserversorgung BHW. Unvollständig wäre die Umschreibung seines Engagements, würden wir nicht auch die bei Vereinsanlässen gehaltenen Vorträge, Referate sowie Diaschauen erwähnen. Dutzende verfasste Texte und Schriften liegen vor und zeugen von seinem vielfältigen Können. Die akribischen Recherchen, wie die zuhauf geknipsten Fotos der Veränderungen in Wittenbach, belegen zudem sein Interesse am historischen Wandel. Es erstaunt daher nicht, dass er für die 1150-Jahr-Feier der Gemeinde auf eigene Kosten eine Kurzfassung der Gemeinde-Geschichte publizierte und später für die mehr als 600 Seiten umfassende, offizielle Gemeindegeschichte über 100 Bilder und Dutzende von Ratschlägen lieferte.


Er, der immer Gesunde, der sich während Jahrzehnten rühmte, die Krankenkasse mit keinem Franken zu belasten, musste nach einem Schlaganfall sein gewohntes Leben aufgeben und die liebevolle Pflege im Kappelhof annehmen, wo er am 22. Dezember 90-jährig starb.


Josefs grössten Wunsch wollen wir ihm gerne erfüllen: Ihn als positiv denkenden, friedfertigen Mitmenschen in Erinnerung zu behalten.


Text: Museum Wittenbach Zwi

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