Maxsolution GmbH
Burggraben 24
9000 St.Gallen
Tel. 071 222 76 36

Fasnachtspredigt 25./26. Februar 2017

1) En grosse Fasnächtler bin ich nöd so sehr,

dromm fallt mer e son e Fasnachtspredigt achli schwer.

Als Büttenredner bin i nöd unbedingt gebore,

und au zum Versli brünzle bin i nöd grad userkore.


2) D’Fasnachtspredigt öberlohni dromm söss gern am Pater Franz,

das hett i üseri Pfarrei schoh ganz e langi Usanz.

Wenn er denn mächtig do vorne stoht i sim Gwand, 

und zum predige hett er meischtens en Spiegel i sinere Hand.


3) So hebt er den de Lüüt de Spiegel vors Gsicht,

so dass mer döt drin denn sich selber erblickt.

Das isch jo nöd nun en Blick uf die eigeti Fassade

sondern au bis tüüf uf de Seelegrund abe.


4) Ich möchti aber jetzt de Bibeltext i d’Mitti stelle

wo üs hüt de Matthäus tuet verzelle.

Us de Bergpredigt isch de hütig Abschnitt gnoh,

Und die Bergpredigt isch jo scho no schwer z’verstoh.


5) Au de Text vo Hüt, so säg ii scho mol vorderhand.

isch nöd liecht, nei, er isch sehr provokant.

Jo fascht scho ha mi gfrgoged, ob bi Gott,

de Jesus echt meh en Fasnachtsscherz bringe wott.


6) Lueged doch eifach  d’Vögel am Himmel aa,

oder mached’s wie d’Lilie im Feld nebeddra.

Jo, die hend öberhaupt kei Sorge.

Und die denked nöd hüt scho an nögschte Morge.


7) Liebe Jesus, erklär’s üs doch es bitz?

Isch das meh wie en Fasnachtswitz.

Meinsch du das wörkli ernscht vo A bis Z.

Dass mer sich eifach kei Sorge meh mache sött. 


8) Das tönt jo fascht wie us de Politikergilde, 

Wo vill versproche wird, Silbe för Silbe.

Sind die Wahle schliesslich denn abghalte

Bliibt am End doch alles bim Alte.


9) Wahlverspreche vortreit mit grosser Attitüde

entpupped sich am End als hohli Plattitüde.

Aber s’Evangelium isch doch keis Wahlkampf-Pamphlet

Und hoffentlich au kei politischi Sonntigsred.


10) Nei, d’Bible hett ganz fescht mit em richtige Lebe z’tue

Und gitt üs wichtige Aaregige und Leitlinie dezue.

Dromm törfed mer die Bergpredigt nöd 1 zu 1 verstoh,

söss mösstet mer d’Realität nämli us de Auge loh.


11) Aber au wenn mer im Lebe guet müend plane und lenke,

und de Vorsorg und de Sorge üsi Ufmerksamkeit tüend schenke,

so törfed mer üs trotzdem emol ehrlich hinterfrooge,

und en selbstkritische Blick uf üsers Lebe wooge.


12) Genau zu dem ladt de Bibeltext üs hüt Obig/Morge ii,

er will provoziere, aber grad eso belebend und aaregend si.

De Jesus also nöd als Schnitzelbänkler oder als Clown

aber ebe sicher als charismatische und wortgewaltige Gottessohn.


13) Ebe jo, wie isch jetzt das mit all üsne villne Sorge,

wo üsen Alltag bestimmet am Obig und am Morge...

Wo üssi Gedanke und Gfühl voll i ihren Bann züched,

so dass vill gueti Vorsätz und Öberzügige flüched.


14) Und denn isch do no de gföhrlich Mammon ganz speziell,

wo Herz und Verstand gfange ninnt grad uf de Stell.

Und so zum Chef wird und öber üsers Lebe regiert,

und üs alli zu Sklave macht, ganz ungeniert.


15) Wer isch denn de wohri Boss i mim Lebesmodell,

wem unterwirf ich mich villicht allzu schnell.

Wem tüend mer üs willig underordne, wellere Macht?

Wege was zerbrechted mehr üs de Chopf Tag und Nacht?


16) Villicht sinds meh die ville Sorge, wo mer üs mached,

Oder denn doch ender de Mammon, wo üs aalached.

Am End isch es sogar no beides mitenand,

wo üs in Beschlag ninnt, das wär jo allerhand.


17) Wenn mer hüt s’Bibelwort vo Jesus tüend meditiere,

hilft üs das villicht, üsers Lebesmotto achli z’relativiere.

Sorge und Geld ghöred sicher nöd a erschti Stell,

wenn’s Lebe sinnvoll und lebesfroh si söll.


18) Achli meh Glasseheit bringt d’Energie neu zum flüsse,

und Humor und Lockerheit loht s’Lebe meh gnüsse.

Sich weniger Druck und weniger Stress mache, das wärs jo scho,

und emol abschalte und Abstand vom Alltag gwünne, sowieso.


19) Gott s’Zepter öbergeh, wie das Jesus tuet predige,

meint nöd, de Lebessinn dodemit z’erledige.

Nei, es isch en grosse Gwünn a Freiheit und Uusglicheheit

A innerer Seelerueh und echter Hochherzigkeit.


20) D’Freud  macht sich nüme rar und sondern breit,

und Liebi werd wieder neu is Herz inegleit.

Üssi Entscheidige veränderet sich, no-dis-no, 

sie werded eso weiser und riifer ussecho.


21) S’Glaubensbekenntnis i de jüdische Religion,

Isch genau dodezue e gueti Lektion.

Es macht genau das zo de Mitti vom Glaubeslebe,

was üs hüt Jesus hett wölle mit em Evangelium säge.


Liebed Gott vo ganzem Herze, mit eurer ganze Exischtenz und mit all eurer Chraft.

Bhalted die Wort guet i eurem Herz uf und präged sie eu tüüf ii.


22) Jo, eso betet d’Jude de Glaube, es isch e grossi Tradition,

und eso hett’s au de Jesus betet, fescht verwurzlet i sinere Religion.

Nemed mer also die Provokation vo Jesus als neui Perspektive,

als en überraschend neue Gedanke, en interessanti Alternative.


23) Das Folgendi gilt för üs alli, för dich, för mich.

Bergpredigt vo Jesus isch tatsächlich en Fall för sich.

Sie tönt uf’s erschti halt scho achli schräg,

aber sie bringt echt e neui Lebes- und Glaubensqualität.


Amen.


Text: Christian Leutenegger; Bild: pixabay/ASSY

0 Kommentare zu “Fasnachtspredigt 25./26. Februar 2017

Kommentar verfassen Antwort abbrechen