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Wittenbacher Medientalk

Letzthin trafen sich vier Medienschaffende zu einem Gespräch im bis auf den letzten Platz besetzten Saal des Restaurants Hirschen. Im ersten Teil ging es um den persönlichen Werdegang der vier, im zweiten um die Zukunft der Medien und im dritten Teil um die No-Billag-Initiative. 


Heimspiel – schon fast ein Klassentreffen

Unter Leitung von Paul Baumann diskutierten Anita Bünter, Reporterin bei der Tagesschau SRF, Stefan Schmid, Chefredaktor des St. Galler Tagblatts, Kaspar Surber, Journalist bei der Wochenzeitung WOZ und Rafael Zeier, Redaktor Digitales und Gesellschaft beim Tagesanzeiger. Alle vier sind in Wittenbach aufgewachsen, ihre im Übrigen ganz unterschiedlichen Ausrichtungen garantieren eine spannende Diskussion.


Nach Fragen zum Werdegang des «Quartetts» will Baumann wissen, was das Besondere an Wittenbach sei. Für Surber ist es die Durchschnittlichkeit. In dieser typischen Agglogemeinde lässt sich vieles gut beobachten, etwa die Zersiedelung, aber auch Positives wie eine aufgeschlossene Bevölkerung. Schmid fügt hinzu, dass es hier auch «viel Mittelstand» gibt. Bünter schätzt es, dass man auf dem Land und doch schnell in der Stadt ist. 


Was ist guter Journalismus – und wie geht es den Medien?

Man ist sich einig, dass die meisten Medien gut und seriös arbeiten. Es gibt drei Kriterien: Faktentreue, Relevanz – und dass etwas gut erzählt ist. Derzeit werden die traditionellen Medien, v.a. das Fernsehen, gezielt schlecht gemacht. Die Mode von «fakenews» wird, wie Zeier bemerkt, besonders im Internet zur Manipulation der öffentlichen Meinung eingesetzt.

Die Werbung als wichtiger Teil der Finanzierung wandert von der Presse ab zu Techgiganten wie Google und  Facebook. Die Verlage, v.a. Tamedia und Ringier, tragen mit Pendlerzeitungen und online-Produkten selber dazu bei, dass gerade die jungen Leute nicht gewohnt sind, dafür zu bezahlen. Zeitungen sind aber vor allem für das Regionale und Lokale auch weiterhin gefragt. Dies erfordert neue Finanzierungsformen. Zeier sagt, dass dies durch ein einheitliches Tool zur Bezahlung einer Zeitung verbessert werden könnte. Für Surber wäre auch eine staatliche Förderung gerechtfertigt, denn ein breites Angebot an Medien ist ein Beitrag zur Bildung und Demokratie. Wichtig ist die Unabhängigkeit der Journalisten.


Nein zu No Billag

Dieser Teil wird eher kurz gehalten, nicht nur, weil die Zeit durch das lebhafte Gespräch wie im Flug vergangen ist und es schon spät ist, sondern auch, weil alle vier die Vorlage ablehnen. Bünter weist darauf hin, dass Radio und TV ausgewogen und umfassend berichten müssen, wobei besonders die Produktion der Nachrichten mit dem weltweiten Korrespondentennetz aufwendig ist – etwas, was ein Privater nie leisten könnte. Bei Annahme von No Billag befürchtet Schmid eine «Berluconisierung oder Blocherisierung» der Medien.


Text und Foto: SPW

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