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Gesucht und gefunden – meine ersten hundert Tage

Am 8. Januar 2019 war es so weit: Hundert Tage Gemeindearbeit in Wittenbach und Bernhardzell lagen hinter mir. Ein guter Anlass, ein erstes Resumé zu ziehen…


Und wenn ich an meinen Anfang hier zurückdenke, muss ich im Nachhinein sogar ein wenig schmunzeln. Denn was meinen ersten offiziellen Gemeindegottesdienst als Pfarrerin des Kirchkreises Wittenbach-Bernhardzell der Ev.-reformierten Kirchgemeinde Tablat-St.Gallen in der Kirche auf dem Vogelherd am 21. Oktober 2018 in Wittenbach anbelangt, fing der eigentlich mit einem Schreck in der späten Abendstunde an: Samstagabend war ich dabei, alles zusammenzustellen für eine zügige Abfahrt am Sonntagmorgen – Gottesdienstringbuch mit Predigt und Ablauf in der Tasche, den frisch gereinigten Talar in seiner sauberen Hülle parat liegend – als ich feststellen musste, dass meine (ebenfalls frisch gewaschenen und gebügelten) Beffchen fehlten. Beffchen, das sind diese weissen «Lätzchen», die Pfarrer/innen unter ihrem Talarkragen tragen… und so klein sie sind, so fallen sie doch auf. Heisst im Umkehrschluss: Wenn sie fehlen, fällt eben auch auf… Ich startete deshalb eine umfangreiche Suchaktion – so gut ich konnte in meiner (des gerade erfolgten Umzugs wegen) immer noch nicht gut ausgeleuchteten Wohnung. Aber in welcher der vielen unausgepackten Kisten und Kartons sollte ich anfangen zu suchen? Es ist müssig, lange drum herum zu reden: Ich wurde natürlich nicht fündig. Was tun? Klar war nur, ohne Beffchen geht gar nicht. Also rief ich im Kreise der Pfarrkolleg/innen an – und wurde fündig beim Vorgänger. Daniel Kiefer erklärte sich schnell bereit, mir mit einem seiner Beffchen auszuhelfen. So fuhr ich am nächsten Morgen noch vor dem Gottesdienst bei ihm in Wittenbach vorbei und habe anschliessend dann – mit einer abenteuerlichen Konstruktion (ganz sicher einmalig in der Kirchengeschichte) – Daniels Beffchen an meinem Talar befestigt. Danach lief alles glatt…


Schrecksekunden dieser Art gab es bis hierhin noch nicht wieder. Zum Glück. Aber selbstverständlich ist vieles immer noch geprägt von neuen Eindrücken und ersten Erfahrungen. Eine klassische Anfangssituation eben: Wenn ich auch schon etliche Jahre Berufserfahrung auf dem Buckel habe, so eben doch noch nicht in der Schweiz und eben noch nicht hier bei Ihnen. Selbstverständlich ist vieles immer noch nicht fertig eingerichtet und an seinem endgültigen Ort, aber es ist sichtbar und spürbar im Werden. Und was von allem Anfang an mir gegenüber da war: Eine grosse Hilfsbereitschaft und Herzlichkeit, egal ob in Wittenbach oder Bernhardzell, egal ob im Kreise der evangelischen oder katholischen Pfarrpersonen, egal ob im Kreise der Haupt- oder Ehrenamtlichen. Überall wurde und wird mir signalisiert, dass die Menschen sich darüber freuen, dass ich jetzt da bin und dass ich willkommen bin bei ihnen. Das beglückt mich und macht mich sehr dankbar. Sehr froh und dankbar bin ich über die vielen positiven und ermutigenden Rückmeldungen auf meine Arbeit. Über die konstruktive Zusammenarbeit bei angenehmer Atmosphäre, in der miteinander gearbeitet und gelacht werden kann, in unserem Mitarbeiterteam im Kirchenzentrum in Wittenbach. Über die kreative und vielfältige Unterstützung im Wittenbacher Konfirmandenprojekt durch das Konf-Leiter-Team. Über die unbezahlbare Arbeit der vielen, vielen Freiwilligen in unserer Gemeinde. Sie sind wirklich der Schatz in unserem Acker. Über die tolle Konf-Gruppe und ihre Eltern. Über die Unterstützung durch KiVo und Verwaltung. Über tolle räumliche Bedingungen. Über, über, über… Wittenbach und Bernhardzell sind einfach klasse. Mir scheint’s, da hat sich was gesucht und gefunden… Genauso wie meine Beffchen eben: Seit dem 4. Januar sind sie wieder aufgetaucht. Fast 100 Tage hat’s gebraucht, bis ich merkte, dass ich die ganze Zeit über ihnen geschlafen habe (sie befanden sich in einer meiner Unterbettkommoden). Den Seinen gibt’s der Herr ja im Schlaf, heisst es… Na ja, ein bisschen mehr Schlaf vielleicht, das wäre noch was für die nächsten hundert Tage… Aber ansonsten bin ich einfach gerne hier bei Ihnen!


Text und Bild: Bettina Mittelbach

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